Kooperation in Industrie 4.0 und Made in China 2025

Wie soll die Kooperation zwischen China und Deutschland in Industrie 4.0 und Made in China 2025 aussehen?

     - Ein paar Gedanken nach dem Besuch einer Delegation der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zum Thema Industrie 4.0 in Deutschland, organisiert von DCAI4.0,  und dem Besuch des DCAI4.0 in Shenyang, einer Pilotstadt der „Made in China 2025“  in China.                                                                                                                   

      von Dr. Jiafu Luo, DCAI4.0

Nachdem der chinesische Staatspräsident Xi jinping im März 2014 das Jahr 2015 als ein gemeinsames Jahr der Innovation zwischen China und Deutschland ausgerufen hat, und insbesondere nachdem die Vereinbarung eines Aktionsrahmens zwecks Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland, unter anderem in Industrie 4.0 von den beiden Regierungen während des Deutschlandbesuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Li keqiang im Oktober 2014 unterzeichnet wurde, finden rege Austauschaktivitäten zwischen China und Deutschland in Industrie 4.0 auf verschiedenen Ebenen statt. Dieser Austausch zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass seitdem viele chinesische Delegationen nach Deutschland gekommen sind bzw. immer noch kommen, um Erfahrungswerte zu sammeln und die Industrie 4.0 hautnah zu erfahren. Verstärkt wurde dieser Austausch nochmals durch das chinesische Strategiepapier „Made in China 2025“, das im Mai diesen Jahres  von der chinesischen Regierung veröffentlicht wurde, und durch die Absichtserklärung beider Regierungen zur konkreten Zusammenarbeit in Sache Industrie 4.0, unterzeichnet während des Chinabesuchs des Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel in Juli 2015. Die Messe CeBIT2015 im März 2015, wo China als Gastland auftrat und Industrie 4.0 das Hauptthema war, stellte einen Zwischenhöhepunkt der Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in Sachen Industrie 4.0 dar, mit Besuch hochrangiger Politiker aus China bei verschieden deutschen Institutionen und Firmen zum Thema Industrie 4.0, wie beim Besuch von Vize-Ministerpräsident Ma Kai bei Fraunhofer IPK in Berlin.

Dass China die Chance ergreifen möchte, bei dem Thema Industrie 4.0, auch als nächstes Level  der industriellen Produktion bezeichnet, ganz vorne dabei zu sein, ist offensichtlich, begründet durch ‚die  neue Normalität der chinesischen Wirtschaft‘ und die daraus abzuleitende Notwendigkeit für die Transformation der produzierenden Unternehmen Chinas. Dass China von Deutschland lernen und die Kooperation in Industrie 4.0 mit Deutschland nach vorne treiben möchte, dient nur einem Zweck, nämlich den Unterschied zu Deutschland in kürzester Zeit zu verringern und das nächste Level der industriellen Produktion mitzugestalten, statt ständig hinterher zu laufen.

Dabei ist eindeutig, dass die chinesische Regierung die Transformation von „Made in China“ zu „Created in China“ vollziehen will, unabhängig von der Fragestellung, durch welche Zusammenarbeit das Ziel am besten zu erreichen sei. Dass die Zusammenarbeit mit Deutschland, also mit Industrie 4.0, die bevorzugte Option ist, liegt auf der Hand, begründet durch die gute Zusammenarbeit beider Länder in den letzten 30 Jahren und die dadurch entstandene gute wirtschaftliche Beziehung, die durch eingebettete Wirtschaft beider Länder gekennzeichnet ist.  Noch nie in der Geschichte ist die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China größer als heute. Dass viele chinesische Unternehmen in China die Ideen der Industrie 4.0 bereits auf der Agenda der Unternehmensstrategie haben, ist bei dem Besuch des DCAI4.0 in Shenyang (einer Stadt in Nordostchina, Pilotcity bei „Made in China 2025“ mit einem Sino-German Industrial Park mit mehreren BMW-Werken) sehr deutlich geworden. Industrie 4.0 soll und wird in China irgendwann Realität werden, davon scheinen die chinesische Regierung und viele Unternehmen fest überzeugt zu sein.

(Industrie 4.0 als Unternehmensbereich bei einer Firma in Shenyang, Besuch von DCAI4.0 in China, September 2015)

Stellt sich nur noch die Frage, was die deutschen Unternehmen von der Zusammenarbeit mit China  in Industrie 4.0 profitieren können. Diese Frage wird seit längerem bei vielen Veranstaltungen in Deutschland kontroverse diskutiert. Zu groß ist die Angst um das geistige Eigentum und den Datenschutz und –Sicherheit, gerade bei den KMUs.  Die Zurückhaltung der deutschen Unternehmen hinsichtlich der Zusammenarbeit in Industrie 4.0 mit China stellt auch DCAI4.0 bei Organisation von Industrie4.0- und Made in China 2025- Veranstaltungen fest. Die Haltung der deutschen Regierung ist hier allerdings mehr als eindeutig: es gibt keine andere Option als mit China in Industrie 4.0 und Made in China 2025 zusammenzuarbeiten, zum einen wegen des chinesischen Absatzmarktes, und zum anderen würden Deutschlands Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn man auf dem größten Absatzmarkt in den neuen Anwendungsfeldern nicht dabei wäre. Zudem muß man dabei beachten, dass Industrie 4.0 bzw. Made in China 2025 eine von der chinesischen Regierung beschlossene Sache ist, wenn nicht über eine deutsche- chinesische Zusammenarbeit, dann könnte Zusammenarbeit mit einer anderen Industrienation ebenfalls dahin führen. Deutsche Unternehmen sind also gut beraten, in der Zusammenarbeit im Rahmen der Industrie 4.0 mit China mehr Chance als Risiko zu sehen, um sich frühzeitig zu positionieren, sich permanent zu verbessern und zu behaupten. Das Risiko, hier aus Angst vor Herausforderungen nicht aktiv zu sein, ist einfach zu groß.       

Noch sind die meisten KMUs in Deutschland laut verschiedener Umfragen selber nicht aktiv in Sachen Industrie 4.0 (Digitalisierung). Deutschland hat aber trotzdem China gegenüber ein paar Jahre Vorsprung was die Konzepte und Pilotprojekte der Industrie 4.0 angeht. Zudem ist Deutschland weiterhin führend in den meisten Schlüsselindustrien und im Bereich Innovation. Im Bereich Internet-plus ist China allerdings bereits auf Augenhöhe. Smart City durch Internet+ -Anwendungen und Apps sind in China schon sehr weit verbreitet, während Deutschland mit dem Zukunftsprojekt Smart Service Welt erst ziemlich am Anfang steht. Digitalisierung der Wirtschaft  ist die Voraussetzung für Industrie 4.0 und Made in China 2025. Ob China dabei mit dem Konzept Internet+ (top-down approach: Internet + Industry/Service) oder Deutschland mit dem Konzept Industrie 4.0+Smart Service Welt (bottom-up approach) die Transformation besser gelingt, wird die Zukunft zeigen.  

(Delegation der Made in China 2025 bei Diskussion mit Industrie 4.0, organisiert von DCAI4.0, September 2015)